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Hass und Hetze im Netz

Was wir tun können

Wie das so ist in der Medienwelt – es wird viel und vor allem über die Schattenseiten berichtet. Neben den Fake News ist das Thema „Hass und Hetze“ das zweite große Thema, das es in den letzten Jahren in die öffentliche Diskussion geschafft hat. Das Thema polarisiert, macht auch Angst, im persönlichen Bereich und auch im pädagogischen. Wie können wir uns denn noch frei äußern und ins Internet trauen, wenn wir uns die ganze Zeit vor Shitstorms und Hass fürchten müssen?

Bevor wir uns mit dem Thema beschäftigen muss klar sein: Nicht alle haten! Oftmals sind es wenige, die einen riesigen Wirbel veranstalten und lauter sind, als die schweigende Mehrheit. Nein, das Internet ist kein rechtsfreier Raum und ja, das Internet ist ein Spiegel der Gesellschaft. So wie wir „im echten Leben“ lernen müssen, miteinander umzugehen, müssen wir das auch im Internet. Im Zusammenhang mit Hass und Hetze müssen wir uns also immer wieder die lebensphilosophischen Fragen stellen: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wieso fällt es Menschen so schwer miteinander auszukommen? Warum sind wir ätzend zueinander und machen uns gegenseitig fertig? Warum wiegt Hass so viel mehr als Liebe?

Wie wird gehatet?

In der Diskussion fallen immer wieder Begrifflichkeiten, die ich hier einmal kurz mit Hilfe von Klicksafe und der NoHatespeech-Kampagne definieren möchte:

Shitstorm: Der Begriff „Shitstorm“ beschreibt eine sich verselbstständigende Welle der Entrüstung, die sich emotionalisierend vom sachlichen Kern einer Debatte o. ä. entfernt und sich auf eine persönlichere Ebene zubewegt – bis hin zu bösesten Verletzungen. Ein Shitstorm ist in der Regel anonymisiert, tritt massenhaft auf und ist im Vergleich recht kurzweilig. Bei Shitstorms zeigt sich auch sehr gut eine Krux, die die Digitalisierung mit sich bringt: Algorithmen. Je häufiger auf etwas geklickt wird, je öfter kommentiert, desto relevanter wird natürlich der Beitrag, und somit meistens der Hass. Und: Beim Shitstorm sind tatsächlich oft auch Social Bots mit dabei – das heißt, du wirst nicht mal von „echten“ Menschen beleidigt, sondern von Maschinen.

Cybermobbing: Cyber-Mobbing (Cyber-Bullying) ist das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten über einen längeren Zeitraum hinweg. Täter – auch „Bully“ genannt – suchen sich Opfer, die sich nicht oder nur schwer gegen die Übergriffe zur Wehr setzen können. Zwischen Täter und Opfer besteht somit ein Machtungleichgewicht, welches Täter ausnutzen, während Opfer sozial isoliert werden. Es steht oftmals in Verbindung mit Offline-Mobbing, das heißt, TäterInnen sind oft mehr oder weniger bekannt und das Mobbing geschieht rund um die Uhr, verbreitet sich sehr schnell und sehr weit.

Hassrede (Hate Speech): bezeichnet sprachliche Handlungen gegen Einzelpersonen und/oder Gruppen mit dem Ziel der Abwertung oder Bedrohung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer benachteiligten Gruppe in der Gesellschaft. Die Person oder Gruppe muss dafür rein zahlenmäßig nicht in der Minderheit sein, andersherum sind Minderheitengruppen nicht automatisch benachteiligt. Beispiele für Hassrede sind Sexismus, (antimuslimischer) Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Neonazismus, Klassismus (Diskriminierung der „niedrigeren“ Schichten), Ableismus (Diskriminierung von Menschen mit Behinderung), Homo- und Transfeindlichkeit. Hassrede ist meistens politisch motiviert und kann auch ins offline-Privatleben reichen bis hin zu tätlichen Angriffen und Anschlägen.

Bashing sind regelrechte Beschimpfungskriege, die heftige Beleidigungen bis hin zum Kontrollverlust umfassen.
Trolling beschreibt ein destruktives, unsachliches und aggressives Kommunikationsverhalten. Trolls möchten provozieren, Konflikte innerhalb einer Community schüren oder durch falsche Informationen Diskussionen im Web manipulieren.
Cybergrooming bedeutet Digitales Anmachen, was sehr schnell zur sexuellen Belästigung führen kann.

Wer hatet?

Ganz ehrlich – wahrscheinlich wir alle. Die ganzen Geschichten von Gut und Böse, lassen sich auch auf unseren eigenen inneren Kampf übertragen. Der Unterschied ist halt – sich im stillen aufzuregen, oder öffentlich Menschen fertig zu machen. Es gab viele schlaue Leute, die sich mit dem „Hassphänomen“ auseinandergesetzt haben und TäterInnen kategorisiert haben: Hater sind Einzelpersonen(auch aus dem Bekanntenkreis), Trolle, Kleingruppen und organisierte, politisch motivierte Organisationen. Ein schwerst zu empfehlender Doku Tipp dazu: Lösch dich.

Darf gehatet werden?

Natürlich nicht! Grundgesetz und Strafrecht aus der analogen Welt, gelten auch für das Internet. Fakt ist aber leider auch, dass Gerichtsverfahren schwierig sind, weil der Tatbestand oft schwer nachzuweisen ist und der ganze Prozess viel zu lange dauert. Hier seien Mal die wichtigsten Tatbestände aufgezählt und mit Verlinkungen versehen:

Beleidigung, Bedrohung, Rufmord, Nötigung, Nachstellung, üble Nachrede, Verleumdung, Volksverhetzung, sexuelle Belästigung, Recht am eigenen Bild, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, … Neu ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das von Websitebetreiber*n fordert, Hasskommentare binnen einen Tages zu löschen. Wie das in der Praxis läuft, zeigt die Doku „The Cleaners“ über die Hasskommentare auf Facebook.

Wichtiger Hinweis: Die Gesetze gelten auch für Messenger – Chatrooms auf dem Smartphone. Also Hate in der Whatsappgruppe ist genauso strafbar, wie auf jeder anderen Plattform. Auch das Teilen und Verbreiten von solchen Inhalten ist strafbar, sowie auch der Besitz auf dem eigenen Gerät!

Aktuell wird von PolitikerInnen über die Klarnamenspflicht diskutiert, sowie über ein Verbot des Torbrowsers und des Darknets. Im Grunde bedeutet das: Es wird noch offensichtlicher, wer wir alle online sind. Anonymität, oder auch nur der Versuch dazu, wird kriminalisiert und dann strafbar gemacht. Da stellt sich mir schon die Frage: Schränken wir ALLE ein, weil ein paar Idioten scheiße bauen? Brauchen wir eine Internetpolizei oder kriegen wir das selbstregulierend als Communities hin?

Was tun?

Als Betroffene

*Ruhig bleiben – Du bist in Ordnung, wie du bist!
*Du bist nicht alleine! Hole Hilfe! (Bei Familie, Freunde, Therapeuten und Organisationen)
*Angriffe dokumentieren – du brauchst Beweise!!! (Screenshots)
*Melden, blocken, löschen!!
*Anzeigen!
*Selfcare + Selfempowernment (Achte auf dich selbst, stelle dich und dein Wohlbefinden in den Vordergrund
*Öffentliche Stellungnahme → Achtung, gerate nicht erneut ins Visier!
* Achtung! Keine Rache (auch wenn’s verständlich ist) und sich selbst strafbar machen!

Als Wissende

Alle betroffenen Personen sagen das selbe: Das schlimmste ist das Gefühl alleine zu sein. Das schlimmste ist die schweigende Masse, die den Hass toleriert. Wie haben verschiedene Mechanismen, warum wir uns nicht einmischen, aber auch das Netz braucht Zivilcourage! Das kannst du tun:

Dokumentieren, melden, blocken
Betroffenen Unterstützung anbieten
Unterstützung organisieren
Counter Speech (Gegenrede) / Lovestorms → Achtung, gerate nicht selbst ins Visier, informiere dich über Argumentationstechniken und benutze ggf. einen Nickname!
Sich für ein soziales, solidarisches Miteinander einsetzen

Hier bekommt ihr Hilfe

Das schöne ist, das sich bei dem Thema die Zivilgesellschaft eingeschalten hat. Es gibt viele verschiedene Formate, die Information, Empowernment und Hilfe anbieten. Die wichtigsten Organisationen sind hier aufgeschrieben und verlinkt (gerne vervollständigen):

No Hatespeech – Movement
werteleben-online.de (juuuport)
Bündnis gegen Cybermobbing
mobbing-schluss-damit.de
Debate/ Dehate (Amadeu – Antonio Stiftung) #nohate #ichwars #ichbinhier(FB) #hatebreach #nichtegal #lauteralshass hassmelden.de (Reconquista Internet)   love-storm.de

Empowernment zum Schluss

Ihr seid nicht alleine! Wir sind nicht alleine! Einige Menschen aus dem öffentlichen Leben, die vom Hass und Hetze betroffen waren, haben ihre Geschichten aufgearbeitet und erzählen sie mittlerweile öffentlich. Ein paar der verschiedenen Formate stelle ich euch hier vor. Alle haben im Grund eines gemeinsam: Sie plädieren an die Empathie. Also, lasst einander zuhören, voneinander lernen, uns connecten und zusammen Wege zu einer besseren Gesellschaft finden. Zusammen sind wir #lauteralshass.

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