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Der Weg zum eigenen Blog

Ein Erfahrungsbericht über meinen Weg mit Linux, WordPress und Uberspace.

Wenn ich das kann, kannst du‘ s auch.

Ich spielte schon lange mit dem Gedanken an einen eigenen Blog – so wie wahrscheinlich viele von euch auch: Eine eigene Plattform für die eigenen Inhalte, teilbar, vorzeigbar, aber vor allem, um selbst aktiv zu werden. Und mal ganz ehrlich: Professionell gesehen, komme ich als jemand, der in den Medien arbeitet, auch ohne eigene Website  gar nicht mehr aus. Ohne eigene Website bist du in der Medienwelt quasi nicht existent.

Genauso lange aber, wie ich wusste, dass ich einen einen eigenen Blog will und brauche, so lange wusste ich auch, warum ich keinen habe: Zusätzlich zu den Gedanken über das „How to Go in Public„, also WIE ich in die Öffentlichkeit gehen wollte, kamen Mangel an der eigenen Medienkompetenz dazu: Wie und wo anfangen? Wie wird aus der Idee nun Realität?

Dieser Blog also ist also auch Teil meiner eigenen Medienkompetenz – und ganz ehrlich, wenn ich das schaffe, dann können das alle schaffen. Auf welchen Weg auch immer. 

Gleich mal vorneweg: Es kann auch sehr leicht sein, zum eigenen Blog zu kommen. Es ist abhängig davon, wie viele Gedanken du dir machst und wie viel Idealismus mit im Spiel ist. Wenn du zu den Menschen gehörst, die eher hobbymäßig unterwegs sind, sich nicht viele Gedanken machen wollen oder dir einfach viele (kapitalistische) Gegebenheiten egal sind, dann hast du‘ s recht leicht:

Entweder du nutzt Social Media, oder ein vorgefertigtes Baukastensystem oder du engagierst jemanden und bekommst die Website gebaut. Ab jetzt kannst du auch aufhören, diesen Artikel zu lesen und gleich loslegen!

Gehörst du aber zu den Menschen mit bestimmten Prinzipien und wenig Kohle und gehst den komplexeren, aber nachhaltigeren Weg, dann herzlich willkommen im Club: Du bist eingeladen, mit mir zu lernen. Mach‘ s dir bequem und lies dir den längeren Artikel durch – vielleicht hilf dir mein Weg bei deinem weiter.

Auf meinem Weg zum Blog habe ich festgestellt, dass es eigentlich recht wenige Schritte sind, doch jeder Schritt kann sehr lange dauern. Angelehnt an die vielen kurzen Listen, die in diversen Foren zu finden sind, teile ich hier meine Liste für die Schritte zum Blog: 

1. Werde dir klar was du willst!

Das allein ist schon schwierig genug, denn es gibt so viele Möglichkeiten. Willst du nur eine digitale Visitenkarte und Infowebsite, willst du eine regelmäßige Berichterstattung? Möchtest du Fotos, Videos, Audios einbauen, soll mehr gescrollt oder geklickt werden?

Ich wusste beispielsweise, dass ich eine Website haben möchte, bei der es um Medienkompetenz geht. Ich wollte eine übersichtliche Oberfläche, die Möglichkeit, viele verschiedene Arten von Artikeln einzubauen und den Blog „tiefgründiger“ wachsen lassen zu können.  Die Website möchte ich für mich persönlich nutzen, sie aber auch professionell verwenden können. Sich durch Websites zu klicken, die einem gefallen und eine eigene Ideenskizze anzulegen kann beim Brainstorming sehr hilfreich sein.

Natürlich wäre mir lieber gewesen, nicht alles selbst machen zu müssen – im Team macht das alles mehr Spaß und weniger Arbeit. Ich wollte eigentlich nicht alles selbst aufbauen müssen, sondern direkt mit Inhalten loslegen. Allerdings hatte ich a) kein Team zur Hand und b) wollte ich JETZT meinen Blog.

Ja, ein Baukastensystem wäre gut gewesen –  allerdings legte ich diesmal Wert auf die Ideale der Unternehmen, bevor ich mich registrierte –  und ganz ehrlich: Ich wurde nicht zufriedenstellend fündig. Nach langer Recherche, gefühlt Millionen Testberichten auf Vergleichsportalen und vielen Gesprächen mit Leuten, die Ahnung haben, habe ich mich entschieden: Für meine Zwecke eignet sich ein WordPress – Blogsystem.  Es ist Open Source, bietet viele Möglichkeiten und viele Optionen sind gratis. Es ist nicht das beste und bequemste Tool aller Zeiten, tut aber mehr oder weniger, was ich möchte. Ich erwähnte ja schon den komplexeren, aber nachhaltigeren Weg.

Als ich mein Blogsystem gefunden hatte wurde mir klar: Der Website-Aufbau und die Administration ist nicht umsonst ein eigenes Berufsfeld – es ist verdammt viel Arbeit – und gut sind Programmierkenntnisse, die ich nicht habe. Ich überlegte zu investieren. Aber meine liebsten Nerdifreunde meinten motivierend: „Lili, das schaffst du, es gibt viele Anleitungen im Internet und tolle Communities, die dir weiter helfen können. Außerdem bist du Medienpädagogin und für deine eigene Medienkompetenz ist das „erstmal selber machen“ großartig. Das ist alles gar nicht  sooo schwer, du musst dich nur ein bisschen einfuchsen. Investieren kannst du immer.“

Das war mein Eintritt in den Teil der Medienwelt, den ich immer weiträumig gemieden hatte.

2. Lerne eine neue Sprache und neue Welt kennen

 ssh, sftp, Hostings, Domains, Verzeichnisse, MySQL-Datenbanken, Kommandozeilen wie cd, ls,  bitte was? Ja, wenn du deine Website vom Grund auf selbst aufbaust, wirst du diesen Begriffen begegnen. Lerne zu verstehen, was du tust – vor allem damit du die richtigen Fragen stellen kannst, wenn du nicht weiter kommst.

Ich muss hier noch dazu sagen, dass ich natürlich alle Wikipedia-Artikel zu den einzelnen Begriffen lesen musste. Ja, alle und manchmal auch mehrmals. Außerdem arbeite ich mit einem Linux-Betriebstsystem, da gibt es ein paar andere technische Anleitungen, das Grundprinzip bleibt aber gleich.

Für einen Blog brauchst du:

1) Einen Hostingplatz, also einen Server  

2) Einen Namen und eine Domain (Adresse)

3) Dein Blogsystem (bei mir WordPress)+ Theme / Look

4) Gesicherte Datenübertragungen

Einfach ausgedrückt: Du besorgst dir ein eigenes kleines Zimmer im Internet, mit einer Adresse, unter der du erreichbar bist. Das Zimmer kannst du einrichten wie du willst und deine Haustür gestalten. Außerdem sorgst du natürlich dafür, dass du selbst und deine Besucher!nnen sicher sind. 

Dein Wohnort ist das Hostingund ist in Wirklichkeit Speicherplatz auf einem Server, der irgendwo auf der Welt stehen kann und irgendwelchen Unternehmen oder Organisationen gehört. Die sind deine „Vermieter“. In meinem Fall wohne ich quasi in einer WG (Shared Hosting) bei dem Verein Uberspace. Uberspace ist eine selbstorganisierte Gemeinschaft, sehr solidarisch mit spannenden Idealen und einer tollen, sehr hilfreichen Community . Hier fand ich meine Anleitungen, wie ich mein Zimmer in Betrieb nehmen konnte, also wie ich einen gesicherten Zugang von meinem Computer aus zum Server legen und mein Zimmer gesichert einrichten konnte.

Die Domain ist deine Adresse. Hast du deine Domain gefunden, musst du sie noch deinem Wohnort zuordnen. Und hier geht der Mist schon wieder los, denn Uberspace bietet keine eigenen Domains an, sagt dir aber, wie du deine Domain mit dem Space verknüpfen kannst.  Bei den Domains musst du darauf achten, wo du sie kaufst, sie muss registriert werden, unter deinem Klarnamen und Adresse und sie darf nicht schon vergeben sein. Zur Domain hab ich nicht DEN perfekten Anbieter für mich gefunden (also classy zu Strato)- dafür mag ich den Namen allesmeko.de 🙂 Falls ihr gute Domain-Anbieter kennt, teilt gerne euer Wissen. 

Dann geht‘ s schon zur Einrichtung des Zimmers (Implementierung des Blogsystems).

Die reale, technische Durchführung der Verknüpfungen von Hosting, Domain und Blogsystem am Computer ist die Arbeit mit Editoren und Terminals, also mit Befehlen und Kommandozeilen, die als Buchstaben und Sonderzeichen eingegeben werden. Das sieht so hackingmäßig aus – und ist es im Grunde auch. Du musst deinem Computer sagen, was er zu tun hat. Wie das genau funktioniert und vor allem WARUM das so funktioniert, wird mir wahrscheinlich für immer ein Rätsel bleiben- aber im Grunde habe ich jetzt Maschinen- A1- Sprachniveau :D.

Durch diese Arbeit konnte ich nicht nur die Funktionsweisen von Computern und dem Internet verstehen, sondern auch verstehen, was ich mache und bin jetzt in der Lage, alles nun in einfachen Worten wiederzugeben. Ich habe begonnen mit dem Linux-Terminal zu arbeiten und meinen eigenen Computer besser kennengelernt – und glaubt mir: Ich dachte in meinem Leben nie, dass ich dazu jemals in der Lage sein würde.

3. Bei Risiken und Nebenwirkungen frag die Community

Hier ist super wichtig, dass du zumindest im Ansatz verstehst was du tust. Denn früher oder später wirst du nach einer Anleitung Befehle eingeben und es funktioniert nicht. Warum? Was hast du gemacht? Woran kann es nicht liegen? Woran könnte es liegen?

Und dann fängt die Recherche nach den Problemlösungen an – was auch schon am richtigen Suchbefehl in der richtigen Suchmaschine scheitern kann. 

Die Open Source – Gemeinschaft hat aber zum Glück einige Foren, worin schon vieles steht und wo du auch anfragen stellen kannst. Es wird auch rasch geantwortet, solange du recht gut darstellen kannst, wo dein Problem liegt.

Hier mal ein paar Online- Communities, die in diesem Fall mir gut geholfen haben: Linux, zu WordPress gibt es viele Blogs, die weiterhelfen können,  Uberspace, Github

Kommst du online nicht weiter, suche offline! Wenn du ein paar technisch begabte Freunde hast, die Zeit und Lust haben, dir zu helfen, ist das großartig. Ansonsten gibt‘ s Cryptoparties, Computerclubs, Vereine und Organisationen, such dir Unterstützung und tausch dich aus – Medienkompetenz ist schließlich was Kollektives:

4. Recherchiere und habe Geduld

Für die Implementierung des Blogs habe ich mal für einen einzigen Schritt vier bis fünf Stunden gebraucht, weil etwas nicht geklappt hat. Ich hab Stunden mit der Recherche verbracht, war gefrustet und wollte hinschmeißen – bis mir einer meiner Nerdi-Freunde sagte: „Hey, du machst nichts anderes, als ich. Diese „Hacking“- Arbeit ist so. Ich hab halt viel Spaß dabei.“

Also, durchatmen: Natürlich klickst du dich durch Wikipedia, durch Foren, Wikis, Suchmaschinen, Blogartikel, Videotutorials etc. Natürlich kann es dauern, denn du lernst gerade erst alles und es ist auch schwierig. Sieh‘ s als Pluspunkt für deine Recherchekompetenz und feiere deine kleinen Erfolge und deinen großen: Wenn du in der URL-Zeile deine Adresse eingibst und tatsächlich deine Website auftaucht. (Nach etwa 2 Wochen mit vielen Pausen dazwischen war’s bei mir endlich soweit).

Auch wenn sie noch nicht perfekt aussieht und du sie wahrscheinlich noch hundert mal verändern wirst: Du hast es geschafft! Du kannst beginnen, deinen eigenen Blog zu bestücken und kannst ihn immer wieder umbauen. Bedenke, dass du eine Datenschutzerklärung und ein Impressum brauchst, auch da müssen wieder Klarnamen angegeben werden. Und ein Tipp noch: Trenne deine Funktionen (vor allem deine Accounts) auf dem Blog: Einen für die Administration und einen für die Inhalte. Das dient auch deiner Sicherheit.

4. Dein Zimmer, deine Inhalte

Ab jetzt kannst du dich voll ausleben – und verdammt stolz auf dich sein, denn du hast ein komplexes System im Ansatz durchblickt, eine neue Sprache gelernt und dir für wenig Geld deine eigene Plattform geschaffen. Nutze sie, kreiere sie. Genau das hab ich hier nämlich vor – also nicht wundern, wenn sich der Blog immer mal wieder verändert :D.

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