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Meko ist kein Hexenwerk

Danke an Gimp, LibreOfficeDraw, Ottfried Preußler und meine großartigen Bearbeitungsfähigkeiten

Ich war für die Cornelsen Akademie im Februar auf der Didacta 2019 in Köln und habe Vorträge über die Medienkompetenzvermittlung an Schulen gehalten. Warum das alles kein Hexenwerk ist, wie wir das ganz einfach zusammen hinbekommen, und was ich ungefähr gesagt habe, gibt es hier nochmal zum Nachlesen:

Ich bin Lili Ewert. Ich bin Journalistin und Medienpädagogin und viele fragen mich, was das bedeutet und was ich so mache. Ich antworte dann meistens:

Als Journalistin ist es meine Aufgabe, Menschen eine Stimme zu geben, die keine haben, oder die nicht gehört werden. Das ist eine der Uraufgaben des Journalismus und die fließt ein in meine Hauptjob der Medienpädagogin. Als Medienpädagogin helfe und unterstütze ich Menschen dabei, ihre Stimme mit und durch Medien zu finden und zu nutzen dabei die Funktionsweisen der Medienwelt und des Mediensystems zu erlernen. Das heißt, ich beschäftige mich nun seit einigen Jahren mit der Frage: WIE kann ich Medien „lehren“, wie kann ich Medienkompetenz vermitteln.

Darum geht‘s auch in meiner Fortbildung bei der Cornelsen Akademie (S.23 ^^)   mit dem Titel: Medienkompetenz entspannt an der Schule vermitteln? Alternativ könnte ich‘s auch nennen: Meko ist kein Hexenwerk.

Noch kurz: Warum sage ich entspannt und warum lege da auch Wert drauf?

Nun ja, wenn ich mit Lehrkräften über die Verpflichtende Medienkompetenzvermittlung an Schulen rede, bekomme ich oft folgende Reaktion:

Toll, jetzt auch noch Medien, als hätte ich nicht schon genug zu tun?! Wie sollen wir das anstellen, wir haben alle keine Ahnung! Reichen nicht schon die anderen großen Themen wie Inklusion und Antirassismus, die super wichtig sind, aber heute noch nicht richtig aufgefangen werden können? Wie sollen wir das machen? Welche Technik brauchen wir, woher bekommen wir die, wie setzen wir sie ein und vor allem, WER soll das machen? Wir haben Lehrkraftmangel, was enorme Auswirkungen auf den Schulalltag hat! Wir haben eine Million unbetreute Kinder in Deutschland und marode Schulen – und jetzt also auch noch Medien?!?!

Keine Lehrkraft – niemals 😉

Kommt Ihnen bekannt vor, ja? Ja, Sie haben auch Recht, ich bekomme das auch alles mit! Es ist irrsinnig viel, was auf Sie als Schule gerade zukommt. Aber ich zeige ihnen in den nächsten 15 Minuten, dass die Medienkompetenzvermittlung kein Hexenwerk ist, und dass Sie alle schon viel weiter und medienkompetenter sind, als Sie denken.

Also, lassen Sie uns erst einmal zusammen durchatmen, *Gemeinsames Durchatmen * …. uns entspannen und den Stress und unsere Vorurteile abbauen. Lassen Sie uns das Thema ordnen, die verschiedenen Arbeitsbereiche durchgehen, analysieren und verstehen und uns dann uns ruhig und entschlossen auf den Weg machen. Denn wir müssen dieses Thema angehen. Vor allem, weil es eben als Bildungsinstitution unsere Aufgabe ist, junge Menschen in die Welt zu schicken, damit sie selbstbestimmt, (selbst)sicher und aktiv an der Gesellschaft teilhaben können. Damit meine ich diese Gesellschaft, offline, Angesicht zu Angesicht, aber auch die Online- Gesellschaft in den Sozialen Medien und auch diese Gesellschaft im verschmelzenden Raum, wo analoges und digitales zusammenkommt. So, weiter geht’s mit dem Stressabbau:

Ich behaupte: In JEDER Lehrkraft steckt ein kleiner Mediennerd! Das bedeutet: JEDE Lehrkraft hat irgendwas mit irgendwelchen Medien zu tun!

Machen wir gleich den Test: Wer hat im Laufe seines Lebens schon mal Texte verfasst, handschriftlich und elektronisch? Wer schreibt eMails? Wer hat das Internet schon mal für Recherchezwecke genutzt? Wer hat schon mal außerhalb des Internets recherchiert, zum Beispiel in einer Bibliothek? Wer hat schon mal Fotos gemacht, egal ob mit dem Smartphone oder mit einer Kamera? Und wer hat schon mal ein Video gemacht? Na? 🙂

Das Thema ist eigentlich nicht neu, ganz im Gegenteil. Ja, wir können uns etwas entspannen, vieles an Wissen ist schon vorhanden, bei einem selbst und auch im Kollegium. Ich glaube, wir alle müssen nur unsere ganz eigene alltägliche Mediennutzung betrachten, den Medienmenschen in uns wieder entdecken, um dann weiterzudenken und Medien bewusst zu nutzen. Was kann ich? Was könnte meinen Schülis helfen und wie vermittle ich es ihnen?

Nehmen wir das Beispiel „eMail-schreiben“, das jede pädagogische Fachkraft kann. Und den Deutschunterricht, als random Unterrichtsfach. Ich erinnere mich, im Deutschunterricht Briefe schreiben gelernt zu haben, das wird heute auch gemacht. Nach der handschriftlichen Lehreinheit gehen wir einen Schritt weiter. Vielleicht gibt es ja ein paar Personen, die die Schülis klasse finden. Und nach einer kurzen Internetrecherche finden sie vielleicht auch ein eMailadresse. Und dann kann‘s losgehen: Was sind eMails? Was sind eMail- Anbieter? Wie funktioniert das? Wie richte ich eine Adresse und ein Postfach ein? Und wenn die Schülis aus rechtlichen Gründen keine eigene eMailadresse haben können, dann gibt es vielleicht eine Schulemailadresse, die die Kinder nutzen können. Und dann einfach mal machen: Elektronische Briefe verfassen und abschicken! Und egal was passiert, im besten Fall kommt was zurück, vielleicht kommt auch ein Brief zurück, aber selbst wenn nichts kommt oder ein Fail, weil die Adresse falsch war, all das gehört zur Medienkompetenz dazu und Sie haben immer einen Gesprächsanlass mit den Schülis. Und wenn wir das alles gemacht haben, dann ist es zur Stunde zum Thema email-Verschlüsselung auch nicht mehr weit, und wenn Sie keine Ahnung von dem Thema haben, könnten Sie sich auch Hilfe holen. Es kann auch recht einfach sein, oder? Warum auch nicht? Medien wurden schon immer in der Schule eingesetzt. Jetzt geht es nur um den zielgerichteten Einsatz und den Aktualitätsbezug.

Jetzt sagen Sie vielleicht: Ja, liebe Lili Ewert, ja ok , Wissen ist da, aber was NEU ist, ist eben die Digitalisierung, das Smartphone, Apps und Social Media. Und DAVON hab ich keine Ahnung. Da wissen die Kids doch viel mehr als wir, die können das schon alles viel besser als ich.

Kommt, hier der ein oder anderen bekannt vor? Ja, mir auch.

Auch diese Angst verstehe ich, denn wir begeben uns auf für uns neues Terrain. Wir lehren etwas, dass wir gerade selbst erst lernen. Aber schön, dass Sie den Kindern und Jugendlichen so viel zutrauen. Haben Sie sie mal gefragt, was sie schon können und was sie noch lernen wollen? Ich habe sie gefragt und meine Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen der neuesten Kinder, Jugend und Medien – Studien ans Herz. Allen voran die U25 Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet, das viele junge Menschen zu ihrer Internetkompetenz und ihrem Sicherheitsgefühl befragt hat. Da passiert, dass genau diejenigen, auf die wir mit dem Finger zeigen und sagen: „Ihr seid die Digital Natives, ihr wachst mit all dem auf, ihr wisst das alles“, dass genau jene sagen: „Hey, wow, kommt runter. Klar kann ich schnell mit dem Smartphone umgehen. Klar nutze ich Social Media aber ich hab auch nicht von allem eine Ahnung und fühle mich auch nicht immer so sicher. Ich weiß nicht, ob ich süchtig bin, das Internet ist auch nicht mehr sooo klasse, weil der Ton ziemlich übel geworden ist und an alle Informationen komme ich auch nicht!Ich lerne das auch erst gerade“. Das ist das Stichwort: Wir lernen auch!

Und deswegen plädiere ich so zur Entspannung und zum Vorurteilsabbau, denn dann können wir genau diese riesige Chance erkennen: Dieses riesige, schwammige, angsteinflößende Medienthema hat das riesige Potenzial, die Generationen zusammen zu bringen, denn wir sind quasi alle auf einem ähnlichen Level! Wir alle müssen lernen und unseren Umgang finden. Und noch mehr: Wir müssen miteinander lernen! Medien gehen uns alle etwas an, sie sind so stark mit unseren Leben verknüpft und wir machen alle unsere Erfahrungen! Und um DEN Umgang zu finden, müssen wir unsere Erfahrungen austauschen, unser Wissen zusammenführen und gemeinsam uns die Dinge erarbeiten. Medienkompetenz ist was Kollektives!

Also, beschäftigen Sie sich mit der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, schauen Sie dazu auch kurz in die Studien, wie z.B. die JIM Studie und vor allem: Fragen Sie die Kinder und Jugendlichen, was sie können, was sie lernen wollen, worin sie sich sicher und worin sie sich unsicher fühlen.

Dann können die Gespräche so aussehen: Wie geht ihr vor, wenn ihr nach Antworten zu einer Frage sucht? Ok, ihr googlet. Zeigt doch mal. Wisst ihr, wie die Suchmaschine funktioniert? Kennt ihr schon die Bilderrückwärstsuche, wo gecheckt werden kann, ob das Bild schon in einem andern Kontext auftauchte? Wisst ihr was das Unternehmen Google macht und wie die Suchergebnisse der Suchmaschine verfälscht werden, weil sie die Daten speichert und Algorithmen speißt? Und kennt ihr auch andere Suchmaschinen?

Da sind wir schon in einem ganz modernen Unterricht MIT Medienkompetenzvermittlung! Und wir sind noch nicht mal voll digital. Müssen wir auch gar nicht. Ja, wir als Lehrkräfte haben nicht mehr das alleinige Allwissen zu einem Thema, aber was besseres kann uns nicht passieren – denn wir können mit den Schülis zusammen lernen! Und ich verspreche Ihnen aus all meiner Erfahrung: Langfristig wird sich ein respektvolles Miteinander entwickeln, weil die Schülis sich ernstgenommen und gewertschätzt fühlen.

Zur Frage also WIE wir Medien „lehren“ können und die Medienkompetenzvermittlung an die Schule bringen können habe ich hab festgestellt: Wir müssen zweigleisig fahren.

Um eine nachhaltige Medienbildung zu etablieren, die allen etwas bringt, braucht es ein Medienkonzept. Und das muss meiner Meinung nach individuell auf die Schule zugeschnitten sein und vom Kollegium entwickelt werden. Es gibt nicht DAS Konzept, klar es gibt Sachen, die wir mit berücksichtigen, wie die Inhalte der KMK, die ja erstmal gar nicht so schlecht sind und wir können in andere Medienkonzepte kucken, aber der Einsatz von Medien hängt auch ganz eng mit dem pädagogischen Konzept der jeweiligen Schule zusammen.

Ja, die Entwicklung des Medienkonzepts ist Arbeit, und nein, das kann und sollte eine Lehrkraft nicht alleine machen, da ist Interdisziplinarität wichtig, und ganz klar, dafür muss es Ressourcen in der Schule geben. Und nein, Sie sind nicht alleine, es gibt Hilfe. Wie meine Fortbildung bei der Cornelsen Akademie, wo wir genau dieses Thema angehen und auch weitere MedienberaterInnen, SchulberaterInnen und Coaches, die zur Seite stehen können.

Doch seien wir mal ehrlich: Ein gutes Konzept braucht auch Zeit. Bis es dann durch alle schulinternen Gremien durch ist, lasst uns ehrlich sein, kann nach so 2-3 Jahren wirklich vom Beginn der Umsetzung gesprochen werden und noch ein paar Järchen mehr, bis das Konzept voll aufgeht. Und das natürlich zu Lasten von ein paar Schüligenerationen, die die Schule verlassen und nicht wissen, wie sie eMails schreiben.

Darum braucht es jetzt zusätzlich die direkte punktuelle Medienbildung, die jetzt direkt schon ausprobiert werden kann. Hier spielt der innere Mediennerd wieder eine Rolle, der jetzt bei jeder Lehrkraft gefragt ist, voll kreativ werden kann und die Medienkompetenzvermittlung in jedem Unterrichtsfach einbauen kann. Und es gibt super viele Möglichkeiten.

Zum Beispiel könnten verschiedene Übersetzungsapps im Sprachunterricht eingesetzt und verglichen werden, oder allgemein mal Apps in verschiedenen Fächern austesten, Geocaching, Geodaten, -Tracking, online und offline Maps finden ihre Erwähnung im Geografieunterricht, in Geschichte wird zusätzlich zum Geschichtsbuch Wikipedia verwendet, in Politik gehts um Wahlen, Internetparteien, ePartizipation, Internetbewegungen, und und und und und.

Haben Sie weitere Ideen? Was machen Sie schon? Was wollten Sie immer schon mal machen? Lassen Sie sich inspirieren, probieren Sie sich aus und tauschen Sie sich untereinander aus.

Und für die aktuellen wichtigen „Metathemen“ wie Cybermobbing, Sextig, etc, die nicht im Unterricht direkt einbauen lassen kann es andere Möglichkeiten geben wie AGs, Werkstätten, Projekttage und -Wochen und auch hier sind Sie nicht alleine.

Sie können sich an Medienpädagoginnen wie mich wenden, oder meine KollegInnen hier, die auch Cornelsen-Fortbildungen anbieten. Es gibt viel Material online, zB beim Medienpädagogikpraxisblog, bei Klicksafe oder Handysektor, das kostenlos verwendet werden kann.

Und all diese Erfahrungen der direkten und punktuellen Medienkompetenzvermittlung können natürlich direkt ins Medienkonzept mit einfließen.

Ja, das Thema ist groß, ja es bringt Veränderung mit sich. Aber wir müssen aber keine Angst davor haben, denn vieles an Wissen ist schon vorhanden und anderes wiederum muss neu oder neuer gedacht werden und es gibt Unterstützung! Wir können uns ein bisschen entspannen, und auch einfach ausprobieren. Vor allem: es GEMEINSAM ausprobieren!

Das „Medienthema“ ist ein super wichtiges, mit unserem alltäglichen Leben verbundenes Thema, das Potenzial besitzt, Generationen miteinander zu verbinden und dadurch auch moderne, freiere Bildungsmöglichkeiten zu schaffen.

Also, lasst uns zusammensetzen, unser Wissen zusammenschmeißen und gute Konzepte für die nachhaltige Medienbildung an Schulen entwickeln!

Medienkompetenz ist was Kollektives und wir sind schon medienkompetenter, als wir denken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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